Daten des Nationalen Referenzzentrums für Meningokokken für das Jahr 2004

1) Einleitung

 

Das Nationale Referenzzentrum für Meningokokken ist vom RKI mit der Feintypisierung und der Surveillance von Antibiotikaresistenzen bei Meningokokken beauftragt. Insgesamt wurden im Jahr 2004 558 Proben von 521 Patienten untersucht. Das NRZM konnte Neisseria meningitidis bei 463 Patienten nachweisen, von welchen bei 448 ein Meningokokkennachweis aus primär sterilen Materialien erfolgte. Die geringe Fallzahl in 2004 entspricht der geringeren Zahl an Meldungen an das RKI und legt eine niedrige Inzidenz der Erkrankung in 2004 nahe (an das RKI wurden 2004 596 Erkrankungen gemeldet, Stand 19.1.2005, vgl. Epidemiologisches Bulletin 03/2005). Bei 99 Patienten erfolgte der Nachweis ausschließlich mit kulturunabhängigen Methoden. Der Anteil der Serogruppe C Erkrankungen sank auf 28,3%, während der Anteil der Serogruppe B Erkrankungen auf 67,9% stieg. Serogruppe C Fälle wurden zu einem nicht unerheblichen Teil durch den sogenannten ET-15 Klon verursacht, der international mit einer hohen Morbidität und Mortalität insbesondere bei Jugendlichen assoziiert wurde. Neben der Serogruppe sind der PorA- und FetA-Typ wichtige Marker der Feintypisierung. Es wurden im Jahre 2004 179 unterschiedliche Serogruppen-PorA-FetA-Kombinationen beobachtet. Die häufigsten Feintypen waren im Jahre 2004 [B:P1.7-2,4:F1-5] (13,8% aller invasiven Isolate), [C:P1.5,2:F3-3] (10,0%), [B:P1.7,16:F3-3] (5,6%), [B:P1.7-2,16:F3-3] (3,8%) und [B:P1.7-2,4:F5-1] (2,7%) (vgl. unten

  1. Sie liefert wichtige Informationen über die in Deutschland zirkulierenden Antigenvarianten der Proteine PorA und FetA, die Bestandteile von Vakzinen gegen die Serogruppe B sind und die z.B. in Norwegen, Kuba und Neuseeland zum Einsatz kamen

  2. Sie unterstützt den öffentlichen Gesundheitsdienst bei der Analyse von Ausbrüchen der Erkrankung (das NRZM war in 2004 u.a. an der Bearbeitung von Ausbrüchen der Erkrankung in den Landkreisen Oberallgäu (Feintyp [C:P1.5,2:F3-6], vgl. AGMK-Newsletter 09/2004) und Sangerhausen (Feintyp [B:P1.7-2,16:F3-3]) beteiligt.)

  3. Sie erlaubt die Überwachung langfristiger Trends der epidemiologischen Entwicklung im internationalen Vergleich

Das NRZM führt mittlerweile eine Computer-gestützte Detektion regionaler Erkrankungshäufungen durch, bei denen keine offensichtliche epidemiologische Verknüpfung vorliegt. Eine statistische Bewertung der Erkrankungshäufung ist möglich, da dem NRZM neben der Feintypisierung der Meningokokkenstämme zeitliche und räumliche Daten zu den einzelnen Fällen zur Verfügung stehen. Nur für 41 Patienten (9,1% der Patienten mit invasiven Meningokokkenisolaten) konnte keine PLZ und somit keine Ortsinformation, ermittelt werden.
Das NRZM arbeitet in verschiedenen Bereichen eng mit dem RKI zusammen. So führte das RKI in Zusammenarbeit mit dem NRZM in einer noch nicht abgeschlossenen Studie einen Vergleich der NRZM und der RKI-Datensätze durch. Die Daten werden von Bedeutung für die Abschätzung der realen Erkrankungsinzidenz in Deutschland sein.

 

2) Serogruppenverteilung aufgeschlüsselt nach Bundesländern

BW: Baden-Württemberg, BY: Bayern, BE: Berlin, BB: Brandenburg, HB: Bremen, HH: Hamburg, HE: Hessen, MV: Mecklenburg-Vorpommern, NI: Niedersachsen, NW: Nordrhein-Westfalen, RP: Rheinland-Pfalz, SL: Saarland, SN: Sachsen, ST: Sachsen-Anhalt, SH: Schleswig-Holstein, TH: Thüringen, Au: in D erkrankt, jedoch im Ausland wohnhaft, kA: keine Angaben

3) Serogruppenverteilung aufgeschlüsselt nach Altersgruppen:

4) Häufigkeit der Sequenztypen des äußeren Membranproteins PorA, gekennzeichnet durch die variablen Regionen VR1 und VR2:

5) Häufigkeit der Feintypen aufgeschlüsselt nach Altersgruppen:

6) Antibiotikaresistenzen von Vitalstämmen des Jahres 2004 (369 Patienten):

* 20 von 49 intermediären Isolaten wiesen ein für reduzierte Penicillinempfindlichkeit charakteristisches penA-Allel auf

7) Geografische Verteilungen

Serogruppe B Fälle (blaue Punkte)
Serogruppe C Fälle (rote Quadrate)
[B:P1.7-2,4:F1-5] (violette Karos)
[C:P1.5,2:F3-3] (orange Dreiecke)
ET-15 (nur kulturell positive Fälle) (dunkle Kreuze)

Anmerkung zu den geografischen Verteilungen: Die Darstellung der geografischen Verteilung verschiendener Meningokokken-Varianten zeigt, dass Serogruppe B und C Meningokokken ein ähnliches Verteilungsmuster aufweisen. Während der häufigste Serogruppe C Feintyp (C:P1.5,2:F3-3) ebenfalls geografisch normal verteilt ist, fällt bei dem häufigsten Serogruppe B Typ (B:P1.7-2,4:F1-5) eine deutliche Akkumulation von Fällen im westlichen NRW auf, die in Zukunft weiter zu beobachten ist. ET-15 Meningokokken wurden auch 2004 wie in den Vorjahren in NRW regelmäßig identifiziert. Zudem zeigte sich eine Häufung im Allgäu, die auf einen Cluster im Landkreis Altusried zurückzuführen ist und auch 2005 mit weiteren Fällen assoziiert ist. Die Zahl der dargestellten ET-15 Fälle in Deutschland ist eine deutliche Unterschätzung, da nur kulturell positive Meningokokken derzeit auf das Vorliegen des ET-15 Klons untersucht werden können

8) Letalitätsdaten für die Serogruppe B und C

Letalitätsdaten werden von den einsendenden Laboratorien mitgeteilt. Eine fallbezogene Überprüfung durch das NRZM erfolgt nicht. Falsch negative Fälle sind wahrscheinlich.

9) Publikationen

Originalpublikationen 2004:

Claus, H., Borrow, R., Achtman, M., Morelli, G., Kantelberg, C., Longworth, E., Frosch, M., Vogel,U. 2004. Genetics of capsule O-acetylation in serogroup C, W-135, and Y meningococci. Mol. Microbiol. 51(1): 227-239.

Vogel, U., Claus, H., von Müller, L., Bunjes, D., Elias, J., Frosch, M., 2004. Bacteraemia in an immunocompromized patient caused by a commensal Neisseria meningitidis strain harboring the capsule null locus (cnl) J. Clin. Microbiol. 42 (7):2898-2901.

Claus, H., Maiden, M.C.J., Wilson, D.J., McCarthy, N.D., Jolley, K.A., Urwin, R., Hessler, F.,Frosch, M., Vogel, U. Genetic analysis of meningococci carried by children and young adults. J. Infect. Dis. 2005 191:1263-1271

Swiderek, H., Claus, H., Frosch, M., Vogel,U. Evaluation of custom-made DNA microarrays for multilocus sequence typing of Neisseria meningitidis. Intern. J. Med. Microbiol. 2005 295:39-45.

Taha, M.-K., Alonso, J.-M., Clarke, S.C., Caugant,D.A., Diggle, M.A., Fox, A., Frosch, M., Gray, S.J., Guiver, M., Heuberger, S., Cafferkey, M., Kalmusova, J., Klem, A.-M., Kriz, P., Kesanopoulos, K., Marsh,J., Mölling, P., Murphy, K., Olcén, P., Sanou, O., Tzanakaki, G., Vogel, U. 2005. Interlaboratory comparison of PCR-based identification and genogrouping of Neisseria meningitidis. J. Clin. Microbiol. 43(1):144-149.

Übersichtsartikel und Buchbeiträge/Reviews and Books 2004

Vogel, U., and Claus, H. 2004. Genetic diverstiy of Neisseria species. Nova Acta Leopoldinga NF88 333:161-164.

Vogel, U., Elias, J., Claus, H., Hessler, F., Frosch,M. 2004. Epidemiologie invasiver Infektionen durch Neisseria meningitidis. Monatsschrift Kinderheilkunde 152: 371-381.

Vogel, U., Claus, H., Frosch, M. 2004. Genetic lineages and their traits in Neisseria meningitidis. Intern. J. Med. Microbiol. 294:75-82.

Vogel, U., Elias, J., Claus, H., Frosch, M. 2004. Workshopbericht: Epidemiologie, Prävention und Therapie invasiver Meningokokken-Infektionen. ImpfDialog 3:113-116.

Allgemeiner Hinweis: Die Daten des NRZM werden im Auftrag des RKI ermittelt. Eine wissenschaftliche Verwendung der Daten durch Dritte ist ohne Genehmigung des NRZM und des RKI nicht gestattet. Eine kommerzielle Verwendung der Daten z.B. für Werbezwecke ist untersagt. Eine Reproduktion der grafischen oder tabellarischen Darstellung auch zum Zwecke von Vorträgen ist nicht gestattet.

Version 1.1, geändert am 29.4.2005, © NRZM 2005