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    Meningokokken und Haemophilus Influenzae

    Daten des Nationalen Referenzzentrums für Meningokokken für das Jahr 2009

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    1) Einleitung

    Das Nationale Referenzzentrum für Meningokokken ist vom RKI mit der Feintypisierung und der Surveillance von Antibiotikaresistenzen bei Meningokokken beauftragt. Insgesamt wurden im Jahr 2009 535 Proben von 471 Patienten untersucht. Das NRZM konnte Neisseria meningitidis bei 402 Patienten nachweisen, von welchen bei 379 ein Meningokokkennachweis aus primär sterilen Materialien erfolgte (diese Zahl entspricht der Anzahl der invasiven Erkrankungen). Im Vergleich dazu wurden 486 Fälle von invasiver Meningokokkenerkrankung im Jahr 2009 an das RKI gemeldet, Stand 27.1.2010, vgl. SurvStat@RKI). Diese Zahlen verdeutlichen eine beinah gleichbleibende Inzidenz der invasiven Meningokokkenerkrankung in Deutschland im Jahre 2009 gegenüber dem Jahr 2008 (ca. 0,59/100.000 laut RKI-Daten). Da das NRZM alle Befunde den jeweils zuständigen Gesundheitsämtern mitteilt, kann davon ausgegangen werden, dass ca. 78% der an das RKI gemeldeten Fälle durch das NRZM untersucht werden (im Vorjahr: 87%). Bei 78 Patienten erfolgte der Nachweis ausschließlich mit kulturunabhängigen Methoden.

    Der Anteil der Serogruppe C Erkrankungen blieb mit 22,0% gleich, während der Anteil der Serogruppe B Erkrankungen mit 67,8% leicht abfiel. Meningokokken der Serogruppe Y und W-135 verursachten im Jahr 2009 6,6% bzw. 3,2% aller invasiven Erkrankungen und stiegen somit leicht gegenüber dem Vorjahr an.

    Neben der Serogruppe sind der PorA- und FetA-Typ wichtige Marker der Feintypisierung (vgl. unsere Vorberichte 2008, 2007, 2006, 2005 und 2004). Es wurden im Jahre 2009 148 unterschiedliche Serogruppen-PorA-FetA-Kombinationen (= Feintypen) beobachtet. Die häufigsten Feintypen im Jahr 2009 waren B:P1.7-2,4:F1-5 (16,2% aller invasiven Isolate) und C:P1.5,2:F3-3 (12,0%). B:P1.7,16:F3-3, B:P1.18-1,3:F1-5 und Y:P1.5-2,10-1:F4-1 machten jeweils 3,6% der Isolate aus (vgl. unten).

    2) Serogruppenverteilung aufgeschlüsselt nach Bundesländern

    BW: Baden-Württemberg, BY: Bayern, BE: Berlin, BB: Brandenburg, HB: Bremen, HH: Hamburg, HE: Hessen, MV: Mecklenburg-Vorpommern, NI: Niedersachsen, NW: Nordrhein-Westfalen, RP: Rheinland-Pfalz, SL: Saarland, SN: Sachsen, ST: Sachsen-Anhalt, SH: Schleswig-Holstein, TH: Thüringen, Au: in D erkrankt, jedoch im Ausland wohnhaft, unk: unbekannt. Obige Tabelle zeigt 376 Fälle. Aus Materialien von 3 invasiven Fällen konnte die Serogruppe nicht bestimmt werden.

    3) Serogruppenverteilung aufgeschlüsselt nach Altersgruppen

    4) Häufigkeit der Varianten des äußeren Membranproteins PorA, gekennzeichnet durch die variablen Regionen VR1 und VR2

    5) Häufigkeit der Varianten des äußeren Membranproteins FetA

    6) Häufigkeit der Feintypen aufgeschlüsselt nach Altersgruppen

    7) Antibiotikaresistenzen von Vitalstämmen des Jahres 2009 (nach Kriterien des CLSI)

    Es wurde ein Penicillin-resistenter Stamm aus einem nichtinvasiven Material (Sputum) beobachtet. Phänotypisch Penicillin-intermediäre Stämme stiegen im Jahr 2009 leicht auf 18,5%. Der Anteil der Stämme mit typischen Mutationen im penA-Gen lag mit 18 von 57 Stämmen bei 32%.

    8) Geografische Verteilungen

    Serogruppe B Fälle (rosa Dreiecke) *
    Serogruppe C Fälle (gelbe Dreiecke) *
    B:P1.7-2,4:F1-5 (blaue Kreise) *
    C:P1.5,2:F3-3 (orange Kreise) *
    ET-15 (nur kulturell positive Fälle) (braune Dreiecke)

    Anmerkung zu den geografischen Verteilungen: Das Verteilungsverhalten der Serogruppe B und C Fälle ist ähnlich; die Serogruppe C dominiert im südlichen Bayern. Die Häufung des Feintyps B:P1.7-2,4:F1-5 im westlichen NRW ist im Jahr 2009 erneut deutlich bemerkbar. Im südlichen Bayern um München kommt es auch 2009 zu Häufungen des Feintyps C:P1.5,2:F3-3. Der Anteil der ET-15 Meningokokken sinkt mit 9 Fällen gegenüber 2008. Die Zahl der dargestellten ET-15 Fälle in Deutschland ist jedoch wahrscheinlich unterschätzt, da nur kulturell positive Meningokokken auf das Vorliegen des ET-15 Klons untersucht werden.
    Die mit Stern (*) markierten Karten wurden mithilfe des Geografischen Informationssystems EpiScanGIS erstellt.

    9) Publikationen des NRZM

    Originalpublikationen:

       

    1. Elias, J., L. Schouls, I. van de Pol, W.C. Keijzers, D.R. Martin, A. Glennie, P. Oster, M. Frosch, U. Vogel, and A. van der Ende. Vaccine Preventability of Meningococcal Clone, Greater Aachen Region, Germany. Emerg. Infect. Dis. Im Druck.
    2.  

    3. Claus, H., Stummeyer, K., Batzilla, J., Mühlenhoff, M., Vogel, U. 2009. Amino acid 310 determines the donor substrate specificity of serogroup W-135 and Y capsule polymerases of Neisseria meningitidis. Molecular Microbiology, 71(4):960-71.
    4.  

    Übersichtsarbeiten:

       

    1. Vogel, U., J. Elias, H. Claus, and M. Frosch. 2009. Laboratory diagnosis of Neisseria meningitidis from the viewpoint of the German Reference Laboratory. J Lab Med 33(5):245–253.
    2.  

    3. Vogel, U. and Frosch, M. 2009. Moraxellen. In: Burkhardt, Medizinische Mikrobiologie (2. Auflage). Ed: Neumeister, Geiss, Braun, Kimmig. Thieme, Stuttgart, Chapter. 20.2. p. 428-430.
    4.  

    5. Vogel, U. and Frosch, M. (Eds.) Akute bakterielle Meningitis. Uni-med Verlag, Bremen. 2. Auflage. 2009.
    6.  

    7. Vogel, U., Schoen, J. Elias. Population Genetics of Neisseria meningitidis. In: Bacterial Population Genetics in Infectious Diseases. Ed.: Robinson, Falush, Feil. Wiley. Im Druck.
    8.  

    9. Vogel, U., J. Elias, W. Hellenbrand. Epidemiologie der Meningokokkeninfektion in Deutschland. Kinderärztliche Praxis. Im Druck.
    10.  

    11. Schroten, H. (Koordniator), und Adam, R., Ehrhard, I., Frosch, M., Heininger, U., Noack, R., Rüggeberg, J-., Scholz, H., Tenenbaum, T., Vogel, U., Zenz, W. (Mitarbeiter) Meningokokken-Infektionen. In: DGPI Handbuch, 5. Auflage, Hrsg.: Sacholz, H. et al., Georg-Thieme-Verlag, 2009, S. 368-372

    Allgemeiner Hinweis: Die Daten des NRZM werden im Auftrag des RKI ermittelt. Eine wissenschaftliche Verwertung der Daten durch Dritte ist ohne Genehmigung des NRZM und des RKI nicht gestattet. Eine kommerzielle Verwendung der Daten z.B. für Werbezwecke ist untersagt. Eine Reproduktion der grafischen oder tabellarischen Darstellung auch zum Zwecke von Vorträgen ist nicht gestattet.

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