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    Meningokokken und Haemophilus Influenzae

    Daten des Nationalen Referenzzentrums für Meningokokken für das Jahr 2005

    1) Einleitung

    Das Nationale Referenzzentrum für Meningokokken ist vom RKI mit der Feintypisierung und der Surveillance von Antibiotikaresistenzen bei Meningokokken beauftragt. Insgesamt wurden im Jahr 2005 619 Proben von 561 Patienten untersucht. Das NRZM konnte Neisseria meningitidis bei 499 Patienten nachweisen, von welchen bei 478 ein Meningokokkennachweis aus primär sterilen Materialien erfolgte. Im Vergleich wurden 626 Fälle im Jahr 2005 an das RKI gemeldet, Stand 31.3.2006, vgl. Epidemiologisches Bulletin 13/2006). Bei 67 Patienten erfolgte der Nachweis ausschließlich mit kulturunabhängigen Methoden. Der Anteil der Serogruppe C Erkrankungen sank weiter auf 22,4%, während der Anteil der Serogruppe B Erkrankungen auf 71,8% anstieg. Sowohl die Serogruppe Y als auch die Serogruppe W-135 Erkrankungen stiegen leicht auf 3,3% bzw. 2,3% an. Bei den häufigen Serogruppen (B und C) ist im Vergleich zum letzten Jahr ein Trend zu älteren Altersgruppen bemerkbar. Diese Verschiebung ist besonders bei den häufigsten Feintypen B:P1.7-2,4:F1-5, C:P1.5,2:F3-3 und B:P1.7,16:F3-3 auffällig.

    Neben der Serogruppe sind der PorA- und FetA-Typ wichtige Marker der Feintypisierung (vgl. a. unseren Bericht 2004). Es wurden im Jahre 2005 170 unterschiedliche Serogruppen-PorA-FetA-Kombinationen beobachtet. Die häufigsten Feintypen waren im Jahre 2005 B:P1.7-2,4:F1-5 (13,0% aller invasiven Isolate), C:P1.5,2:F3-3 (7,5%), B:P1.7,16:F3-3 (6,3%), B:P1.18-1,3:F1-5 (5,0%) und B:P1.7-2,16:F3-3 (2,7%) (vgl. unten).

    Die Computer-gestützte Erkennung und Bewertung von zeitlich-räumlichen Häufungen ist inzwischen ein fester Bestandteil der Routinearbeit. Hierzu führen wir automatisierte feintypspezifische Analysen unter Zuhilfenahme des Programmes SaTScan in einwöchigen Abständen durch. Im Falle von signifikanten spatiotemporalen Häufungen eines gewissen Feintyps melden wir diese an die betreffenden Gesundheitsämter und an das RKI weiter, um eine zeitnahme epidemiologische Untersuchung zu ermöglichen. Eine gleichzeitige Übermittlung auch an die jeweiligen Landesbehörden ist derzeit in Planung.

    2) Serogruppenverteilung aufgeschlüsselt nach Bundesländern

    BW: Baden-Württemberg, BY: Bayern, BE: Berlin, BB: Brandenburg, HB: Bremen, HH: Hamburg, HE: Hessen, MV: Mecklenburg-Vorpommern, NI: Niedersachsen, NW: Nordrhein-Westfalen, RP: Rheinland-Pfalz, SL: Saarland, SN: Sachsen, ST: Sachsen-Anhalt, SH: Schleswig-Holstein, TH: Thüringen, Au: in D erkrankt, jedoch im Ausland wohnhaft, kA: keine Angaben

    3) Serogruppenverteilung aufgeschlüsselt nach Altersgruppen

    4) Häufigkeit der Sequenztypen des äußeren Membranproteins PorA, gekennzeichnet durch die variablen Regionen VR1 und VR2

    5) Häufigkeit der Feintypen aufgeschlüsselt nach Altersgruppe

    6) Antibiotikaresistenzen von Vitalstämmen des Jahres 2005

    Im Jahre 2005 wurden vom CLSI (vormals NCCLS) neue Kriterien für die Interpretation der minimalen Hemmkonzentrationen herausgegeben, welche von unserer bisherigen Beurteilung nach dem Konsensus der EMGM 2003 abweichen. Die entsprechenden Interpretationsmöglichkeiten sind deshalb untereinander aufgeführt. Eine Harmonisierung der beiden Richtlinien steht noch aus.

     

    * 17 von 42 intermediären Isolaten wiesen ein für reduzierte Penicillinempfindlichkeit charakteristisches penA-Allel auf

    7) Geografische Verteilungen

    Serogruppe B Fälle (blaue Punkte)
    Serogruppe C Fälle (rote Quadrate)
    B:P1.7-2,4:F1-5 (violette Karos)
    C:P1.5,2:F3-3 (orange Dreiecke)
    ET-15 (nur kulturell positive Fälle) (dunkle Kreuze)

    Anmerkung zu den geografischen Verteilungen: Das Verteilungsverhalten der Serogruppe B und C Fälle ist vergleichbar. Wie im letzten Jahr ist eine räumliche Häufung des häufigsten Feintyps B:P1.7-2,4:F1-5 im westlichen NRW auffällig. ET-15 Meningokokken wurden auch 2005 wie in den Vorjahren besonders in NRW, in BW und im Allgäu identifiziert. Die Zahl der dargestellten ET-15 Fälle in Deutschland ist wahrscheinlich unterschätzt, da nur kulturell positive Meningokokken derzeit auf das Vorliegen des ET-15 Klons untersucht werden können

    9) Publikationen

    Originalpublikationen:

    Claus, H., M.C.J. Maiden, D.J. Wilson, N.D. McCarthy, K.A. Jolley, R.Urwin, F. Hessler, M.Frosch, and U. Vogel. 2005. Genetic analysis of meningococci carried by children and young adults. J. Infect. Dis. 191:1263-1271.

    Swiderek, H., H. Claus, M. Frosch, and U. Vogel. 2005. Evaluation of custom-made DNA microarrays for multilocus sequence typing of Neisseria meningitidis. Intern. J. Med. Microbiol. 295:39-45.

    Taha, M.-K., J.-M. Alonso, S.C. Clarke, D.A. Caugant, M.A. Diggle, A. Fox, M. Frosch, S.J. Gray, M. Guiver, S. Heuberger, M. Cafferkey, J. Kalmusova, A.-M. Klem, P. Kriz, K. Kesanopoulos, J. Marsh, P..Mölling, K. Murphy, P. Olcén, O.Sanou, G. Tzanakaki, U. Vogel. 2005. Interlaboratory comparison of PCR-based identification and genogrouping of Neisseria meningitidis. J. Clin. Microbiol. 43(1):144-149.

    Jarva, H, S. Ram, U. Vogel, A.M. Blom, and S. Meri. 2005 Binding of the Complement Inhibitor C4bp to Serogroup B Neisseria meningitidis. J. Immunol. 174(10):6299-6307.

    Kurzai O., C. Schmitt, H. Claus, U. Vogel, and M. Frosch M, Kolb-Maurer A. 2005 Carbohydrate composition of meningococcal lipopolysaccharide modulates the interaction of Neisseria meningitidis with human dendritic cells. Cell. Microbiol. 7(9):1319-34.Hautmann, W., I. Harms, U. Vogel, A. Zirngibl, and M. Wildner. 2005. Cluster von Meningokokkenerkrankungen im Allgäu - Interventionsstrategien. Gesundheitswesen. 67: 853-857.

       

    Übersichtsartikel:

    Vogel, U., J. Elias, and M. Frosch. 2005. Epidemiologie der Meningokokkeninfektion aus Sicht des Nationalen Referenzzentrums für Meningokokken. Impfdialog 3/2005:117-121.

    Schoen, C., H. Claus, U. Vogel, and M. Frosch. The genomes of pathogenic Neissera species. In: Pathogenomics, edited by J. Hacker and U. Dobrindt, Weinheim:Wiley-VCH, 2006, p. 231-255.

       

    Allgemeiner Hinweis: Die Daten des NRZM werden im Auftrag des RKI ermittelt. Eine wissenschaftliche Verwertung der Daten durch Dritte ist ohne Genehmigung des NRZM und des RKI nicht gestattet. Eine kommerzielle Verwendung der Daten z.B. für Werbezwecke ist untersagt. Eine Reproduktion der grafischen oder tabellarischen Darstellung auch zum Zwecke von Vorträgen ist nicht gestattet.

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